EIN LEBEN FÜR DEN FORTSCHRITT.

Wir alle profitieren bis heute von den Errungenschaften Friedrich Harkorts: beim Transportwesen, in der metallverarbeitenden Industrie, beim Kinderschutz, in der Bildung und in der Krankenversicherung.

1793–1880

Friedrich Wilhelm Harkort prägte als Unternehmer, Politiker und Sozialreformer die Region Wetter (Ruhr) und weit darüber hinaus.

Danke
Friedrich

Der Harkort-Kurier

Zeitung für ein Leben zwischen Werkbank und Rednerpult

Der Mann
mit den vielen Berufen

Fabrikant, Erfinder, Sozialreformer, Abgeordneter, Bankrotteur, Ehrenbürger: Wer war dieser Friedrich Harkort eigentlich, und wie passt das alles in ein einziges Leben?

1793 in Westerbauer geboren, 1880 in Dortmund-Hombruch gestorben: Friedrich Wilhelm Harkort war Unternehmer, Technikpionier und Sozialreformer. Nach den Befreiungskriegen gründete er in Wetter die „Mechanische Werkstätte“ und führte 1826 als Erster in Deutschland das Puddelverfahren ein. Wirtschaftlich scheiterte er, politisch blieb er umso wirkungsvoller: Er kämpfte gegen Kinderarbeit, für bessere Schulen und soziale Absicherung. Bis heute erinnern Bauwerke und Straßenzüge im Ruhrgebiet an ihn. Wer hinter diesen vielen Rollen steckte, erzählen die folgenden Seiten.

Gezeichnetes Portrait von Friedrich Harkort

Vom Bankrotteur zum Vorbild

1838 stand Harkort vor dem finanziellen Ruin. Trotzdem gilt er bis heute als „Vater des Ruhrgebiets“, ein Beleg dafür, dass wirtschaftlicher Erfolg und historische Bedeutung nicht dasselbe sind.

Verwundet, bevor er berühmt wurde

Bei Ligny, südlich von Waterloo, wurde Harkort durch einen Schuss in die Brust und einen weiteren durch den Oberarm verwundet. Seine unternehmerische Karriere begann er erst danach, ganz von vorn.

Vater des Ruhrgebiets

Ein Denkmal für einen anderen Denkmalbauer

Harkort war Vorsitzender des Komitees, das dem Reformer Freiherr vom Stein den Stein-Turm in Hagen errichtete. Heute steht dort auch seine eigene Büste.

Entstehung

Ein Brief an den König

Mit einer kühnen Ankündigung an den preußischen König begann Harkorts eigentliche Karriere.

Burgruine in Wetter

Am 10. Januar 1819 kündigte Harkort in einem Brief an den preußischen König an, in Wetter eine Maschinenfabrik gründen und englische Fachkräfte dorthin holen zu wollen. Im April desselben Jahres übernahm er das Gelände der Burg Wetter samt dem leerstehenden Bergamtsgebäude für 2.010 Taler und gründete dort mit dem Kaufmann Heinrich Kamp und dem englischen Techniker Edward Thomas die „Mechanische Werkstätte Harkort & Co.“

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Kaufmannssohn wird Soldat

Bevor Harkort Maschinen baute, stand  er im Kugelhagel der napoleonischen Kriege.

Napoleon auf einem Pferd in der Schlacht

Friedrich Wilhelm Harkort wurde am 22. Februar 1793 in Westerbauer bei Haspe geboren, in eine bereits unternehmerisch tätige Familie. Er erhielt eine kaufmännische Ausbildung, zog aber wie viele junge Männer seiner Generation in die Befreiungskriege gegen Napoleon. Bei den Gefechten von Ligny, südlich von Waterloo, wurde er durch einen Schuss in die Brust und einen weiteren durch den linken Oberarm schwer verwundet. Nach dem Tod seines Vaters 1818 übernahm Harkort zunächst dessen Betriebe, eine Gerberei und einen Kupferhammer. Der Sprung in den Maschinenbau war damit noch nicht vollzogen, aber die unternehmerische Bühne war bereitet.

Wirtschaft

Industrieller Puddler bei der Arbeit

Aus England importiert
in Wetter erprobt

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Zwei englische Verfahren machten aus einer kleinen Werkstatt einen Ort von nationaler Bedeutung.

Die preußischen Behörden förderten Harkorts Werk als eines der ersten industriellen Eisenwerke Westfalens. Bereits 1826 führte er in seinem nach englischem Vorbild errichteten Puddel- und Walzwerk das Puddelverfahren ein, nach übereinstimmenden Quellen die erste Anwendung dieser Technik in Deutschland. Auf der Rüblinghauser Hütte bei Olpe ließ er ab den frühen 1830er-Jahren als einer der Ersten in Westfalen Eisenerz mithilfe von Koks verhütten.

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Der Fall nach dem Aufstieg

So weit sein technischer Blick reichte, so kurz war sein wirtschaftliches Glück.

1832 schied Harkort aus seiner eigenen Firma aus. 1834 kaufte er eine Ölmühle in Hombruch und baute sie zu einer Eisenhütte aus, engagierte sich zusätzlich im Schiffsbau, hatte damit jedoch keinen Erfolg und stand 1838 vor dem Bankrott. Historiker nennen ihn deshalb treffend einen „Visionär als Praktiker“: einer, der die Zukunft erkannte, ohne selbst dauerhaft von ihr zu profitieren. Sein wirtschaftliches Erbe lebte trotzdem fort: Aus seinem ursprünglichen Unternehmen ging über mehrere Nachfolgegesellschaften das spätere Werk Wetter der DEMAG hervor.

Gesellschaft

Eine Kasse für den Krankheitsfall

Sechzig Jahre vor Bismarck sicherte Harkort seine eigenen Leute schon ab.

Ein alter Stapel Akten

Bereits 1820, nach dem Vorbild der Berggewerkschaftskassen des Bergbaus, richtete Harkort eine betriebliche Krankenkasse für seine Arbeiter ein. 1854 ergänzte er eine Invalidenkasse, 1856 wurde die Einrichtung auf alle Betriebe der Gemeinde Wetter ausgeweitet.

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Für Kinder,
gegen Kinderarbeit

Während andere Fabrikbesitzer Kinderarbeit noch als selbstverständlich verteidigten, forderte Harkort ein Verbot.

Bereits ab 1830 forderte Harkort im Westfälischen Provinziallandtag ein Verbot der Kinderarbeit und begrenzte Arbeitszeiten. In seinem 1848 verfassten „Bienenkorbbrief“ an seine Arbeiter formulierte er zudem eine Pflicht der Unternehmer zur „wechselseitigen Unterstützung“ der Beschäftigten in Krankheits- und Invaliditätsfällen.

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Nicht jede Fürsorge war bedingungslos

Ein vollständiges Bild verlangt auch die unbequemen Seiten.

In seinen Schriften unterschied Harkort ausdrücklich zwischen dem „braven Arbeiter“, den er für unterstützungswürdig hielt, und dem „Proletarier“, den er als verwahrlost beschrieb. Diese im 19. Jahrhundert verbreitete, aus heutiger Sicht fragwürdige Unterscheidung zwischen „verdienter“ und „unverdienter“ Bedürftigkeit gehört ebenso zu seinem Bild wie sein soziales Engagement.

Welt

Wissen importieren, Menschen schützen

Harkorts Blick reichte immer über die eigene Region hinaus, auch wenn sein Wirken dort verwurzelt blieb.

Harkorts gesamtes unternehmerisches Handeln beruhte auf gezieltem Wissenstransfer aus England, dem damaligen Zentrum der industriellen Revolution. Er reiste wiederholt dorthin, holte englische Ingenieure wie Edward Thomas nach Wetter und übertrug englische Verfahren wie das Puddeln oder den Kokshochofenbetrieb auf deutschen Boden. Auch politisch blieb der Blick über die Landesgrenzen präsent: Als Mitglied des Norddeutschen Reichstags setzte sich Harkort besonders für Fragen des See- und Eisenbahnwesens sowie für den Schutz deutscher Auswanderer ein, zu einer Zeit, in der Millionen Deutsche nach Nordamerika auswanderten.

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Altes Buch aufgeschlagen

Politik

Vierzig Jahre im Parlament

Vom Provinziallandtag bis zum Reichstag: Harkort blieb der Politik über vier Jahrzehnte treu.

Illustriertes Bild eines Ballsaals (Eröffnung des Reichstages)

Bereits ab 1830 war Harkort Mitglied des Westfälischen Provinziallandtags. 1848 wurde er in die konstituierende preußische Nationalversammlung gewählt. Bis 1870 gehörte er dem preußischen Abgeordnetenhaus an, 1871 bis 1874 war er zudem Abgeordneter im ersten Deutschen Reichstag. Als politischer Publizist nahm er wiederholt und pointiert Stellung zur Innenpolitik seiner Zeit.

Zwanzig Jahre gegen ein Gesetz

Ein Regelwerk aus dem Jahr 1854 wurde zum Lebensprojekt eines alten Mannes.

Über zwanzig Jahre kämpfte Harkort im Abgeordnetenhaus gegen die reaktionären „Stiehlschen Regulative“ von 1854, die die Ausbildung der Volksschullehrer stark einschränkten. Der Kampf endete 1872 mit deren Aufhebung durch die „Allgemeinen Bestimmungen“, als Harkort bereits fast 80 Jahre alt war.

Eine Vision für die Schiene

Zehn Jahre vor der ersten deutschen Eisenbahn träumte Harkort schon von einem ganz anderen Streckennetz.

Alte Eisenbahnschienen in der Nahaufnahme

Bereits 1833 formulierte Harkort mit seiner Schrift „Die Eisenbahn von Minden nach Cöln“ eine der einflussreichsten frühen Visionen für den deutschen Eisenbahnbau, lange bevor daraus tatsächlich Schienen wurden.

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Zukunft

Ein See, ein Turm, eine Stadt

Kaum eine Landschaft im Ruhrgebiet trägt den Namen eines Einzelnen so oft wie diese.

Die Stadt Wetter (Ruhr) nennt sich bis heute „Harkortstadt“ und benannte Ende der 1880er-Jahre ihren Hausberg in „Harkortberg“ um. Am 19. Oktober 1884 wurde dort unter großer öffentlicher Anteilnahme der Harkortturm eingeweiht, 1930 folgte die Benennung des neu angelegten Stausees als Harkortsee, versehen mit einem Denkmal an seinem Ufer.

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Der Harkortturm in Wetter

Vater des Ruhrgebiets, mit allen Widersprüchen

Am Ende bleibt kein Held ohne Kanten, aber eine Figur, die bis heute nachwirkt.

Portrait von Friedrich Harkort

Der Beiname „Vater des Ruhrgebiets“, den Harkort bis heute trägt, verweist nicht auf eine einzelne Leistung, sondern auf die Summe seines technischen, sozialen und politischen Wirkens. Industriepionier und gescheiterter Kaufmann, sozialer Vordenker und Kind der moralischen Kategorien seines Jahrhunderts, regional verwurzelt und international denkend: Gerade diese Vielschichtigkeit erklärt, warum sein Name im Ruhrgebiet bis heute an so vielen Orten auftaucht.

Steckbrief: Friedrich Wilhelm Harkort

  • Geboren / gestorben:
    22. Februar 1793 – 6. März 1880
  • Unternehmen:
    Mechanische Werkstätte Harkort & Co., Wetter, gegründet 1819
  • Technische Pionierleistungen:
    Puddelverfahren 1826, Kokshochofen ab 1830
  • Soziales Engagement:
    Krankenkasse 1820, Kampf gegen Kinderarbeit, Volksschulverein
  • Politische Ämter:
    Provinziallandtag, Nationalversammlung 1848, Abgeordnetenhaus, Reichstag 1871 bis 1874
  • Beiname:
    „Vater des Ruhrgebiets“

Ein Name auf hundert Schildern

Wer im Ruhrgebiet unterwegs ist, stolpert früher oder später über diesen Namen.

Mein Friedrich Ausstellung am Harkortsee

Zahlreiche Harkortstraßen finden sich unter anderem in Dortmund-Hombruch, Oberhausen, Essen, Bochum, Düsseldorf und sogar in Hamburg. Die Friedrich-Harkort-Schule in Hagen trägt bis heute seinen Namen, ebenso das Fahrgastschiff „MS Friedrich Harkort“ auf dem Harkortsee. 2015 initiierte der Lions Förderverein Wetter zusätzlich das Kunstprojekt „MeinFriedrich“, bei dem 100 Kunstfiguren Harkorts für wohltätige Zwecke verkauft wurden.

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